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Meine kleine Pferdegeschichte
Von Margit Gieszer
Offenbar wurde mir die Liebe zu Pferden und zur Kunst bereits in die Wiege gelegt. Im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren begann ich, auf alle beschreibbaren Unterlagen wie Zeitungen, Hefte, aber auch auf die Wand neben meinem Bett Pferdeköpfe zu zeichnen. Als ich dann in die Schule ging, traf ich jeden Morgen den Milchwagen an, der damals noch von einem Pferd gezogen wurde. Ich begrüßte jeden Morgen „mein“ Pferd. Ich fühlte tiefe Zuneigung zu diesem stämmigen weis-rot geschecktem Schimmel und er blies mir seinen warmen Atem ins Gesicht wenn ich meine kleine Hand in seiner Mähne vergrub. Doch eines Tages kam mein Pferd nicht mehr an die Ecke vor das Milchgeschäft neben der Schule, sondern ein nach Abgasen stinkendes Lieferauto. Ich war lange Zeit sehr traurig und vermisste meinen Freund so sehr.
Meine Sehnsucht nach Pferden wurde sehr groß und ich borgte mir aus der Bücherei alle Pferdebücher aus, die ich bekommen konnte. Langsam wurden auch meine Pferdekritzeleien besser und erkennbarer, und ich begann mich auch für die Verschiedenheit menschlicher Nasen zu interessieren, die ich ebenfalls zu zeichnen begann und herausfand, dass jede Nase einen Hinweis auf den Charakter des jeweiligen Menschen gab.
Doch meine Liebe zu Pferden blieb, nur gab immer weniger Pferde in Wien. Ein- oder zweimal im Jahr gingen meine Eltern mit Onkeln und Tanten in den Wiener Wurstelprater, wo es echte Ponys gab. Ich durfte dann einmal darauf reiten, und von dem Glücksgefühl dass ich empfand, zehrte ich viele Monate.
Zu meinem 16. Geburtstag kam dann für mich die große Überraschung: Meine Omi hatte mir einen 10er Block Reitstunden geschenkt! Ich war überglücklich. Meine ersten Reitstunden erlebte ich auf „Jansosch“, einen ungarischen Wallach und durfte mit ihm frei übers Feld galoppieren. Welch eine Wonne war das und wie schön! Doch auch diese 10 Stunden gingen vorüber und als ich endlich mit 18 mein eigenes Geld verdiente, war mein erster Wunsch reiten zu lernen. Eine Bekannte half mir, im Reitverein Freudenau vorzusprechen und schließlich wurde ich zum Anfängerkurs aufgenommen. Der Unterricht war sehr streng geführt und der alte Rittmeister schlug des öfteren auf die Waden der Schüler, wenn sie etwas nicht begriffen.
Doch ich war sehr eifrig und half auch im Stall mit, putzte Sättel und Zaumzeug und ging mit den kranken Pferden am Halfter spazieren. Am Ende des Kurses wurden nur wenige in den Reitverein aufgenommen. Meine Freude war riesengroß, dass ich auch mit dabei war.
Mit der Zeit lernte ich alle 14 Pferde kennen, und hatte dann auch schon einen Liebling, es war ein Nonius (so heisst die Rasse,) langbeinig und eigenwillig, doch wir kamen besonders gut miteinander zurecht. Sein Name war Bandit. Ich lernte Springen und Dressur, die Reitlehrer waren so zufrieden mit mir, dass ich sogar unseren 4 jährigen Lippizzaner der von der spanischen Hofreitschule kam, reiten durfte. Auf ihm zu sitzen war ein besonderes Gefühl, denn sein Galopp war langsam und rund und der Gang ganz weich. Es war wie auf einem Schaukelpferd. Ich war sehr glücklich, denn es war eine ganz besondere Auszeichnung, diesen Hengst reiten zu dürfen, den sonst nur die Reitlehrer selber und zwei andere sehr fortgeschrittene Reiter reiten durften.
Doch mein Herz gehörte nach wie vor Bandit. Eines Tages, ich war 20, hörte ich dass Bandit geschlachtet werden sollte. Ich war völlig entsetzt und hätte ihn so gerne gekauft und das Gnadenbrot gegeben. Für mich war er ein lieber guter Freund geworden. Meine Trauer und mein Entsetzen waren sehr groß und ich begann zu begreifen, dass die Pferde nur für die meisten Menschen Sportgeräte waren, wie seelenlose Dinge die man benützt und dann einfach entsorgt.
Mir wurde klar, dass ich nicht die Mittel hatte, um ein Pferd wirklich zu Hause als Freund zu halten und dass ich im Verein immer wieder den Tod eines meiner Freunde miterleben musste.
Von diesem Tage an kündigte ich meine Mitgliedschaft und bin nie wieder auf ein Pferd gestiegen.
Doch die Liebe zu den wunderschönen sanften edlen Tieren ist geblieben.
In meiner Erinnerung bleibt Bandit und die anderen immer lebendig und ich werde dieses herrliche Gefühl der Einheit nicht vergessen, das ich hatte, wenn ich, eins mit meinem Pferd, durch die Wälder der Freudenau galoppierte.
Viele Jahre später las ich, dass Maestoso Cäcilia, das war unser Lippizzaner Hengst, zum Verkauf angeboten wurde. Wie ein altes Gebrauchtauto, benützt und weitergereicht.
Und ich dachte an diesen schönen, sanften Hengst, erinnerte mich daran, dass ich als er in seiner Box lag, es duldete dass ich mich auf ihn legte um seine warme Haut zu spüren und zu fühlen wie sein Herz in seinem Körper schlug.
Diese edlen Wesen, die so tapfer für uns in Kriegen gekämpft, Schlachten gewonnen haben, Lasten getragen, gezogen, und nun als Sportgeräte missbraucht werden, sie hätten es verdient, endlich entsprechend gut behandelt zu werden und auf Lebenszeit das Gnadenbrot zu bekommen. Das ist mein inniger Wunsch.
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Berührung
Liebe Margit,
du hast mich mit deiner Geschichte sehr berührt, war total gefangen in deiner Erzählung. Ja leider wird immer wieder das Tier benutzt und abgestoßen, jedoch verdient haben diese Wesen es nicht.
lg Martina (tina72)